Zum Inhalt
360-Talents

Methode

Pipeline-Besprechung: wie aus der Montagsrunde Entscheide werden

Montag, 8.30 Uhr. Die Verkaufsleitung teilt den Bildschirm mit der Pipeline aus dem CRM, und reihum erzählt jede Person, wie es bei ihren Kunden steht. Das Projekt am Zürichsee sei «auf gutem Weg», die Offerte für die Klinik «hängt noch beim Einkauf», bei einem Stammkunden «schaut man im Frühling wieder». Nach einer Stunde kennen alle den Stand aller Chancen. Entschieden ist nichts.

Dabei kann die Pipeline-Besprechung der einzige Termin in der Woche sein, an dem das ganze Team dieselben Chancen ansieht. Dort könnte sichtbar werden, wo eine Offerte auf den Innendienst wartet, wo ein Rabatt auf die Freigabe und wo ein Kunde auf eine Antwort, die niemand geben will.

Solche Wartestellen sind der eigentliche Stoff der Runde. Den Stand jeder Chance zeigt das CRM auch ohne Sitzung.

§1

Wozu die Besprechung da ist

Die Runde lohnt sich, wenn sie blockierte Chancen weiterbringt. Das gelingt, wenn dort entschieden wird, was sonst liegen bliebe: ein Rabatt, eine Priorität, eine Frage an die Technik. Daneben klärt sie die Übergaben der kommenden Woche und holt ins Team, was einzelne beim Kunden gehört haben.

Einen Bericht über jede Chance braucht sie dafür nicht. Wer den Stand wissen will, kann ihn im CRM nachlesen, vorausgesetzt, er wird dort gepflegt. Eine Runde, die das vorliest, belohnt vor allem die Vorbereitung auf die Runde, und die Chancen bewegen sich trotzdem nicht.

§2

Eine Traktandenliste für 45 Minuten

Für ein Team von bis zu zehn Personen passt die folgende Struktur in eine Dreiviertelstunde. Sie beginnt immer mit den Pendenzen der letzten Runde, damit Entscheide nicht versanden.

  1. Pendenzen der letzten Woche (5 Minuten): Was wurde erledigt, was nicht, und warum?
  2. Chancen, die sich nicht bewegt haben (20 Minuten): nur diese, und für jede die Frage, woran sie hängt.
  3. Offene Entscheide (10 Minuten): Rabatte über der Grenze, Prioritäten bei knapper Kapazität, Ressourcen für grosse Offerten.
  4. Übergaben der Woche (5 Minuten): Was geht an wen, bis wann?
  5. Aus dem Markt (5 Minuten): Konkurrenz, Preise, Veränderungen bei Kunden.

Welche Chancen unter Punkt 2 gehören, lässt sich einfach bestimmen: alle, deren nächster Schritt seit der letzten Runde nicht erfolgt ist. Eine Chance ohne nächsten Schritt mit Datum ist eher eine Hoffnung.

§3

Welche Fragen eine Chance weiterbringen

«Wie steht es?» lädt zu einer Erzählung ein. Die Antwort fällt leicht zu positiv aus, weil vor dem ganzen Team niemand gern sagt, dass eine Chance kippt. Bessere Fragen richten sich auf das, was als Nächstes passieren muss:

  • Was ist der nächste Schritt beim Kunden, und bis wann?
  • Worauf wartet diese Chance, und auf wen?
  • Was bräuchte es, damit der Kunde diese Woche entscheidet?
  • Woran würden wir merken, dass wir sie streichen sollten?

Für das Team zählt vor allem die zweite Frage. Wartet eine Chance auf eine interne Stelle, etwa den Innendienst oder die Geschäftsleitung, gehört sie zu den offenen Entscheiden oder zu den Übergaben, und zwar mit Namen und Datum.

§4

Pendenzen festhalten, Entscheide von Abklärungen trennen

Jeder Entscheid der Runde landet in einer Pendenzenliste: was, wer, bis wann. Die Liste ist kurz, für alle sichtbar und der erste Traktandenpunkt der nächsten Runde. Das klingt nach Verwaltung. Ohne sie hängt der Wert der Besprechung am Gedächtnis der Beteiligten.

Hilfreich ist, zwischen Entscheiden und Abklärungen zu unterscheiden. Ein Entscheid ist gefallen, wenn jemand mit der Befugnis dazu ja oder nein gesagt hat. Eine Abklärung bedeutet, dass jemand bis zu einem Datum eine Grundlage bringt, auf der dann entschieden wird. Werden beide vermischt, stehen nach drei Wochen lauter Abklärungen auf der Liste, und nichts ist entschieden.

§5

Die Runde als Situation der Verkaufsleitung

Wie die Pipeline-Besprechung läuft, hängt an der Verkaufsleitung. Deshalb gehört sie zu den Situationen, an denen sich zeigt, ob diese Rolle wirkt. Das erwartete Handeln lässt sich beschreiben: Die Verkaufsleitung führt über Fragen, entscheidet blockierte Punkte in der Runde oder legt ein Datum dafür fest, und sie schliesst mit einer Pendenzenliste. Die erwartete Wirkung: Keine Chance wartet länger als eine Woche auf einen internen Entscheid.

Ob das im Alltag so ankommt, zeigt der Vergleich. Die Verkaufsleitung schätzt sich selbst ein, das Team schätzt die Runde und ihre Leitung ein. Sieht sie sich als entscheidend und das Team die Runde als Rapport, ist das ein Befund, über den sich reden lässt. Welche Aufgaben die Rolle sonst hat, steht unter Verkaufsleitung im KMU, und wie mehrere solche Situationen zusammen aussehen, zeigt der Wirkungs-Massstab.

Fragen

Häufige Fragen

Wie lange sollte eine Pipeline-Besprechung dauern?

So lange, wie die Entscheide brauchen. Mit der Struktur oben sind 45 Minuten für ein Team von bis zu zehn Personen ein guter Rahmen. Dauert die Runde regelmässig länger, wird vermutlich wieder berichtet statt entschieden.

Wöchentlich oder alle zwei Wochen?

Das hängt davon ab, wie schnell sich Ihre Chancen bewegen. Bei kurzen Verkaufszyklen passt eine wöchentliche Runde, bei Projekten über Monate kann ein Zweiwochenrhythmus reichen. Entscheidend ist, dass keine blockierte Chance länger wartet als bis zur nächsten Runde.

Sollte der Innendienst dabei sein?

Beim Traktandum Übergaben lohnt es sich. Werden dort Termine und Offerten verteilt, ohne dass der Innendienst dabei ist, entscheidet das Team über seine Woche ohne ihn. Die ganze Runde muss er nicht bleiben.

Was, wenn Chancen zu optimistisch eingeschätzt werden?

Fragen Sie nach dem nächsten konkreten Schritt beim Kunden und seinem Datum. Eine Chance, bei der dieser Schritt mehrmals verschoben wurde, gehört zur Diskussion, ob sie gestrichen wird. Die Frage richtet sich an die Chance und schärft das Bild für alle.

Was wird in Ihrer Montagsrunde entschieden?

Anlagen

Weiterlesen

  1. Anlage 1 Verkaufsleitung im KMU: Aufgaben und Befugnisse
  2. Anlage 2 Übergaben im Vertrieb
  3. Anlage 3 Rabattkompetenz im Vertrieb regeln
  4. Anlage 4 Teamwirkung messen, ohne eine Gesamtnote