Lösung

Senior Hiring im Gesundheitswesen und in der Pflege

In Schweizer Spitälern, Pflegeeinrichtungen und Senior-Heimen ist die Lage seit Jahren angespannt. Der Fachkräftemangel zieht sich durch alle Berufsgruppen, die Burnout-Quote bei Führungskräften liegt deutlich über dem Branchenschnitt, und die Diskussion um die Pflegeinitiative hat den Druck auf Rahmenbedingungen, Skills-Mix und Personalplanung weiter erhöht. Wenn in dieser Lage eine Pflegedienstleitung, eine Stationsleitung oder eine Heimleitung neu besetzt wird, geht die Geschäftsführung selten mit dem Gefühl in den Prozess, freie Auswahl zu haben.

Andre Hafner, einer der beiden Gründer von 360-Talents, beschreibt die Situation, die danach häufig eintritt. Die Person ist fachlich exzellent, hat Berufserfahrung im Pflegesetting, kommuniziert klar im Vorstellungsgespräch. Nach acht bis zwölf Wochen wird trotzdem deutlich, dass etwas nicht greift. Das Team kommt nicht zur Ruhe, Krankmeldungen häufen sich, der Pflegealltag wirkt überall ein bisschen instabiler als vorher. Niemand kann konkret benennen, was die neue Führungskraft falsch macht. Der Eindruck bleibt diffus, das Problem real.

Warum fachliche Stärke im Pflegealltag nicht reicht

Pflegeberufe ziehen Menschen an, die fachlich brennen, viel arbeiten und Verantwortung übernehmen. Wer in der eigenen Karriere Stationsleitung wird, hat das in der Regel über Jahre an der Front gelernt. Diese fachliche Tiefe ist die Basis, ohne die Führung in der Pflege gar nicht funktionieren würde. Sie ist aber kein Indikator dafür, ob jemand ein zwölfköpfiges Team unter Dauerbelastung stabil halten kann, ohne selbst in den Erschöpfungsmodus zu kippen.

In den ersten Wochen einer neuen Stationsleitung treten unausweichlich Situationen auf, die fachliches Können nicht vorhersagt. Eine erfahrene Mitarbeiterin droht zu kündigen, weil sie sich mit der neuen Dienstplanung nicht abgeholt fühlt. Ein Konflikt zwischen Pflegefachfrau HF und Fachfrau Gesundheit eskaliert während einer Spätschicht. Die Vorgesetzte aus der Pflegedienstleitung erwartet ein Konzept zur Reduktion der Pikettstunden, gleichzeitig steht die Wiederbesetzung von zwei offenen Stellen an. In jeder dieser Situationen entscheidet das Handeln der neuen Führungskraft darüber, ob die Station ruhiger oder unruhiger wird.

Lebenslauf, Zeugnisse und Referenzen sagen darüber wenig. Sie beschreiben, was die Person in einem anderen Haus, mit anderem Team und anderer Kultur getan hat. Im neuen Kontext muss sich das alles erst beweisen, und solange kein Massstab dafür existiert, was im Alltag konkret passieren soll, wird der Eindruck zur Messlatte.

Welche Senior-Rollen besonders kritisch sind

Im Schweizer Gesundheitswesen gibt es mehrere Funktionen, in denen eine Geisterphase besonders teuer wird. Die Pflegedienstleitung in einem mittleren Spital, weil sie die Schnittstelle zwischen Spitalleitung, Ärzteschaft und Pflegeteams trägt. Die Stationsleitung auf Akut-Stationen, weil dort die Fluktuation am stärksten reagiert. Die Heimleitung in einem Senior-Heim, weil sie zugleich Personalverantwortung, Bewohner-Kommunikation und Aufsichtsthemen mit Kanton und Gemeinde führt. Dazu kommen Bereichsleitungen in grösseren Praxen und Geschäftsführungen in Spitex-Organisationen, die zwischen ehrenamtlich besetzten Vorständen und operativem Pflegealltag vermitteln.

Was diese Rollen verbindet, ist die Schwierigkeit, im klassischen Bewerbungsprozess vorherzusagen, wie jemand mit Druck und Personalknappheit umgeht. Im Gespräch wirken alle bedacht und reflektiert. Erst im Echteinsatz zeigt sich, ob die Person in einer Welle von Krankmeldungen den Überblick behält oder selbst zur Belastung für das Team wird.

Was sich verändert, wenn Wirkung früh sichtbar wird

Wirkungsdiagnostik im Pflegekontext bedeutet, vor Antritt der neuen Führungskraft mit der Geschäftsleitung und der vorgesetzten Pflegedienstleitung durchzugehen, welche Situationen in den ersten zwölf Wochen unausweichlich sein werden. Bei einer Stationsleitung etwa: Wie reagiert sie, wenn zwei Pflegefachpersonen gleichzeitig krank werden und die Spätschicht unterbesetzt ist? Wie führt sie das Gespräch mit einer langjährigen Mitarbeiterin, die sich von der neuen Leitung übergangen fühlt? Wie geht sie mit einem Angehörigen um, der aggressiv über die Versorgung seiner Mutter reklamiert?

Diese Erwartungen werden in vier bis sechs konkreten Situationen verdichtet und schon im Bewerbungsprozess offen besprochen. Wer im Gespräch ehrlich beschreiben kann, wie sie in solchen Momenten handeln würde und welche Optionen sie verwerfen würde, gibt ein viel klareres Bild ab als jede Eigenschaftsliste. Im Onboarding folgen kurze, strukturierte Reviews, die diese Situationen aufgreifen, sobald sie eintreten.

Die Phase zwischen Entscheidung und Klarheit verkürzt sich von typischerweise sechs bis neun Monaten auf vier bis sechs Wochen. In einer Branche, in der jede instabile Stationsleitung sofort auf die Krankmeldungen des Teams durchschlägt, sind sechs Wochen statt sechs Monate ein Hebel, der sich am Personalbestand ablesen lässt.

Wirtschaftlicher Effekt im Gesundheitswesen

Eine Pflegedienstleitung in einem mittleren Schweizer Spital liegt typischerweise bei 130 bis 180k CHF Jahresgehalt, eine Stationsleitung bei 95 bis 125k CHF. Die direkten Wiederbesetzungskosten bei Trennung nach neun Monaten umfassen Restgehalt, Abfindung, Vakanzdauer von vier bis sechs Monaten plus Recruiting. Schnell sind 150 bis 250k CHF Direktkosten erreicht, ohne die Folgekosten in Form von Krankmeldungen, Leiharbeit zur Überbrückung und Teamkündigungen einzurechnen.

Letztere wiegen oft schwerer. In einer Studie des Schweizerischen Berufsverbands der Pflegefachpersonen geben Pflegende an, dass die direkte Vorgesetzte einer der stärksten Faktoren für oder gegen einen Verbleib im Beruf ist. Eine Geisterphase von neun Monaten in der Stationsleitung bedeutet konkret zwei bis drei Kündigungen aus dem Team, die in der heutigen Marktlage nur mit Mühe und Verzögerung wiederbesetzt werden. Der Hebel früher Wirkungsdiagnostik liegt deshalb nicht nur im eingesparten Gehalt, sondern in der Stabilität des gesamten Pflegeteams um die neue Leitung herum.

Häufige Fragen

Wie verträgt sich Wirkungsdiagnostik mit den Anforderungen der Pflegeinitiative? +

Sie verträgt sich gut. Die Pflegeinitiative zielt auf bessere Arbeitsbedingungen und stabile Teams. Eine Führungskraft, die früh wirksam ist, trägt direkt zu beidem bei. Wirkungsdiagnostik ergänzt die formalen Qualifikationsanforderungen an Stationsleitungen und Pflegedienstleitungen, sie ersetzt sie nicht.

Funktioniert das auch bei Heimleitungen in kleineren Senior-Heimen? +

Ja, dort sogar besonders gut. In kleineren Häusern trägt die Heimleitung viele Themen alleine, von Personalführung über Bewohner-Kommunikation bis zur Schnittstelle mit dem Vorstand. Genau deshalb ist es wertvoll, vorab die fünf bis sechs Situationen zu definieren, an denen sich die Wirkung der neuen Heimleitung in den ersten Wochen ablesen lässt.

Wir haben kaum Auswahl an Bewerbungen. Bringt Wirkungsdiagnostik in einem Mangelmarkt etwas? +

Gerade in einem Mangelmarkt bringt sie viel. Wenn nur drei Personen ernsthaft in Frage kommen, ist die Frage umso wichtiger, welche der drei wirklich passt. Wirkungsdiagnostik ist auch dann hilfreich, wenn die Auswahl bereits getroffen ist, weil sie das Onboarding der gewählten Person spürbar verkürzt.

Wie binden wir die vorgesetzte Pflegedienstleitung in den Prozess ein? +

Sie ist die zentrale Person im Gespräch. Die Erwartungen an die Stationsleitung werden mit ihr und der Geschäftsleitung gemeinsam formuliert, weil nur sie weiss, welche Situationen im Stationsalltag tatsächlich anstehen. Im Onboarding führt sie die strukturierten Reviews und sieht damit früh, ob die Hypothese trägt.

Was kostet ein Kandidaten-Audit für eine Pflegedienstleitung? +

Das Audit ist auf die Komplexität der Rolle und die Stakeholder im Haus zugeschnitten. Wir besprechen den Rahmen kostenfrei in einem ersten Termin und zeigen, wie der Massstab für Ihre konkrete Vakanz aussehen könnte.

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