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Wirkung und Resultate sind nicht dasselbe

Die meisten Personalentscheidungen werden im Rückblick beurteilt. Erst wenn die Quartalszahlen vorliegen, das Team läuft oder ein Projekt liegen bleibt, lässt sich sagen, ob die Wahl getroffen war. Bis dahin vergehen sechs Monate, oft länger. In dieser Zeit kann viel kaputtgehen, ohne dass jemand die Bremse zieht.

Andre Hafner, einer der beiden Gründer von 360-Talents, beschreibt diesen Zustand mit drei Begriffen, die im Alltag oft synonym verwendet werden, aber eigentlich verschiedene Dinge bezeichnen. Ziele zeigen die Richtung. Wirkung zeigt, was im Handeln entsteht. Resultate zeigen, was am Ende dabei herauskommt. Wer diese drei Ebenen sauber unterscheidet, gewinnt etwas zurück, das im klassischen Hiring fehlt: die Möglichkeit, früh zu korrigieren.

Drei Ebenen, oft verwechselt

Ziele beantworten die Frage, was erreicht werden soll. Sie sind der Kompass. Sie geben die Richtung an, sagen aber nichts darüber, wie sie erreicht werden, und brauchen Zeit, bis ihre Erreichung am Resultat ablesbar ist. Daraus entsteht die Lücke, die Führungskräfte in der Praxis spüren. Zwischen dem klar formulierten Ziel und dem irgendwann sichtbaren Ergebnis vergehen Wochen oder Monate, in denen unklar bleibt, ob die Person auf dem richtigen Weg ist.

Wirkung schliesst diese Lücke. Sie ist das, was im Handeln entsteht und sofort beobachtbar wird, sobald jemand entscheidet, priorisiert oder reagiert. Wirkung lässt sich nicht aus dem Lebenslauf ablesen. Sie zeigt sich erst dann, wenn ein Kunde droht abzuspringen, ein Team blockiert oder zwei Themen gleichzeitig eskalieren. In genau diesen Momenten entscheidet sich, ob die Person die Rolle ausfüllt oder nicht.

Resultate kommen zuletzt. Sie sind die Folge aus vielen einzelnen Wirkungen, summiert über Wochen und Monate. Wer ausschliesslich auf Resultate schaut, verpasst die ganze Steuerungsphase davor.

Wie aus einer Handlung ein Resultat wird

Zwischen Ziel und Resultat liegt eine Kette, die sich im Alltag oft verkürzt anfühlt, aber aus drei unterschiedlichen Gliedern besteht. Zuerst steht die Handlung: das, was eine Person in einem konkreten Moment tatsächlich tut, ein Anruf, eine Entscheidung, eine Priorisierung. Daraus entsteht die Wirkung: die unmittelbare Folge dieser Handlung, oft schon Stunden oder Tage später beobachtbar. Erst danach, und erst nach vielen weiteren Handlungen und Wirkungen, verdichtet sich daraus ein Resultat, das sich in einer Kennzahl ablesen lässt.

Ein Beispiel macht die Kette konkret. Am Dienstag erfährt eine Vertriebsleiterin, dass ein Schlüsselkunde mit einem Jahresumsatz von CHF 90'000 über einen Wechsel nachdenkt. Sie ruft ihn noch am selben Nachmittag persönlich an, statt die Rückmeldung dem zuständigen Account Manager zu überlassen (Handlung). Der Kunde bleibt vorerst in Kontakt, statt endgültig abzusagen, weil er sich ernst genommen fühlt (Wirkung, innerhalb weniger Tage sichtbar). Ob daraus am Ende des Quartals tatsächlich CHF 90'000 gehaltener Umsatz werden, hängt zusätzlich vom Angebot der Konkurrenz, vom weiteren Projektverlauf und von Entscheidungen ab, die ausserhalb ihres Einflusses liegen (Resultat, erst nach Wochen ablesbar und nur teilweise durch sie gesteuert).

Für die Führung liegt der Hebel im mittleren Glied. Die Handlung selbst liegt in der Vergangenheit, sobald sie beobachtet wird. Das Resultat liegt noch in der Zukunft und hängt von zu vielem ab, das niemand vollständig kontrolliert. Die Wirkung ist der einzige Punkt in der Kette, der schon sichtbar und gleichzeitig noch beeinflussbar ist.

Warum der Lebenslauf Wirkung nicht prognostiziert

Im Bewerbungsprozess entsteht ein stimmiges Bild der Person. Es basiert auf vergangenen Stationen, Eindruck im Gespräch, Eignungstest-Ergebnissen, Referenzen. Das Bild reicht, um eine Entscheidung zu begründen. Was es nicht leistet, ist eine verlässliche Aussage darüber, wie diese Person im konkreten System des neuen Unternehmens handeln wird.

Der Grund liegt im Wesen von Wirkung selbst. Sie ist kein Merkmal der Person. Sie entsteht im Zusammenspiel von Person, Situation und Kontext. Ein Vertriebsleiter, der bei einem Tech-Konzern hundert Prozent geliefert hat, liefert in einem Schweizer KMU mit dreissig Leuten nicht automatisch dasselbe. Nicht weil sich die Person verändert, sondern weil das Umfeld ein anderes ist. Die Personalentscheidung ist also weniger ein Endpunkt als der Startpunkt einer Annahme, die im Alltag erst geprüft werden muss.

Wenn Eindruck zur Messlatte wird

Solange kein Massstab dafür existiert, was im Alltag konkret passieren soll, treten in jedem Auswahl- und Onboarding-Prozess die gleichen Muster auf. Wer angenehm wirkt, wird als "passend" erlebt. Wer klar formuliert, gilt als kompetent. Wer viel arbeitet, scheint Fortschritt zu machen. Diese Verkürzungen sind menschlich und treten auch bei sehr erfahrenen Führungskräften auf, weil das Hirn nun einmal mit dem arbeitet, was sichtbar ist.

Das Problem ist nicht der einzelne Eindruck, sondern dass er zur Messlatte wird, wenn nichts Festeres vorliegt. Aus Sympathie wird Teamfit, aus Eloquenz wird Kompetenz, aus Aktivität wird Fortschritt. Im Resultat sieht eine "normale" Einarbeitung dann genauso aus wie eine, in der Wirkung gerade ausbleibt. Beide brauchen Zeit, beide haben holprige Wochen, beide produzieren Aktivität. Der Unterschied wird erst spät sichtbar, oft erst dann, wenn schon viel Energie verloren ist.

Was sich ändert, wenn Wirkung sichtbar wird

Mit einem Massstab, der das erwartete Handeln in den entscheidenden Situationen einer Rolle beschreibt, verschiebt sich die Art der Reviews. Statt "Wie läuft es?" lautet die Frage "Im letzten Meeting gab es Widerstand, wie bist du vorgegangen?". Statt "Hat sie Drive?" lautet sie "Welche Entscheidung hat sie in Situation X konkret getroffen, und welche Optionen hat sie dabei verworfen?". Diese Verschiebung wirkt klein und ist strukturell.

Sie macht Handlungen vergleichbar, ohne Personen zu bewerten. Sie macht Abweichungen vom erwarteten Verhalten früh erkennbar. Und sie verkürzt die Phase zwischen Personalentscheidung und Klarheit darüber, ob die Wahl trägt, von Monaten auf Wochen. Wer in den ersten sechs Wochen sieht, dass die Hypothese hält oder eben nicht, kann handeln. Wer sechs Monate auf das erste Quartalsergebnis wartet, hat oft nur noch die Wahl zwischen Aussitzen oder Trennen.

Am Ende dieser Prüfung steht eine von drei möglichen Antworten. Stimmen erwartetes und beobachtetes Handeln überein, liegt eine Passung vor. Weicht das Handeln ab, entscheidet die Ursache über den nächsten Schritt: Person entwickeln, wenn die Lücke bei einer Handlungsfähigkeit liegt, Rolle anpassen, wenn sie bei einem Wert liegt. Diese drei Antworten beschreibt Die drei Handlungsoptionen im Detail. Ein verfehltes Resultat sagt nur, dass etwas nicht funktioniert hat. Ein Abgleich auf Wirkungsebene sagt zusätzlich, woran es lag.

Warum Woche 6 mehr zeigt als Monat 6

Die Rechnung, die die meisten Unternehmen nicht aufmachen, ist die der verstrichenen Zeit. Wer auf das erste verlässliche Resultat wartet, wartet in vielen Schlüsselrollen drei bis sechs Monate. In dieser Zeit läuft die Rolle entweder in die richtige Richtung oder nicht, aber es gibt keinen Zeitpunkt, an dem jemand mit Substanz eingreifen könnte, weil noch nichts Konkretes vorliegt, das sich prüfen liesse.

Ein strukturierter Termin nach sechs Wochen verschiebt diesen Zeitpunkt drastisch nach vorne. Er nimmt keine Resultate vorweg, er prüft Wirkung, die zu diesem Zeitpunkt bereits vorliegt. Der Ablauf und die konkreten Fragen dafür stehen im Woche-6-Review. Die Monate, die zwischen einem solchen Termin und dem ersten belastbaren Resultat liegen, sind die Zeit, in der eine Korrektur noch wenig kostet.

Was diese Verkürzung wert ist, lässt sich beziffern. Eine Fehlbesetzung in einer Schlüsselrolle kostet ein Schweizer KMU je nach Position ab CHF 100'000, über das weiterlaufende Gehalt hinaus vor allem durch gebundene Führungsaufmerksamkeit und Reibung im Team, wie der Artikel Was eine Fehlbesetzung wirklich kostet im Detail vorrechnet. Diese Kosten laufen während der gesamten Geisterphase auf, nicht erst im Moment der Trennung. Wer sie nach sechs Wochen statt nach sechs Monaten erkennt, verkürzt die Phase, in der sie entstehen.

Häufige Fragen

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Wirkung und Resultaten? +

Wirkung entsteht im Handeln und ist sofort beobachtbar. Resultate sind die Folge aus vielen Wirkungen, summiert über Monate. Wer ausschliesslich auf Resultate schaut, verschenkt die Phase, in der Steuerung möglich wäre.

Brauche ich für die Steuerung von Wirkung neue Tools? +

Nein. Sie brauchen einen klaren Massstab dafür, was in den entscheidenden Situationen einer Rolle konkret passieren soll. Daraus ergeben sich strukturierte Fragen für Reviews. 360-Talents bietet die Diagnostik plus den Massstab als Prozess an, das Prinzip funktioniert auch ohne Tool.

Funktioniert das auch bei Rollen unterhalb der Geschäftsleitung? +

Ja. Der Hebel ist bei Senior-Rollen am grössten, weil dort Fehlbesetzungen am teuersten werden. Das gleiche Prinzip lässt sich aber auf jede Rolle übertragen, in der Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden.

Wie schnell sehe ich, ob jemand wirkt? +

Bei vorab formulierten Handlungserwartungen typischerweise innerhalb der ersten vier bis sechs Wochen. Ohne diesen Massstab dauert es meist drei bis sechs Monate, bis sich aus den Resultaten ein Muster ableiten lässt.

Heisst das, Ziele und Resultate spielen keine Rolle mehr? +

Nein. Ziele geben weiterhin die Richtung vor, und Resultate bleiben der Massstab, an dem sich am Ende der Erfolg einer Rolle zeigt. Wirkung ergänzt beide, weil sie der einzige Punkt in der Kette ist, der schon während der ersten Wochen sichtbar und gleichzeitig noch beeinflussbar ist.

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