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Der fehlende Massstab, wenn Eindrücke Messbarkeit ersetzen

Markus, der Geschäftsführer aus unserem Kundenbeispiel, hatte alles richtig gemacht: gründlicher Lebenslauf-Check, mehrere Gespräche, Eignungstests, positive Referenzen. Die Entscheidung für Sabine war nachvollziehbar.

Trotzdem entstand keine Wirkung. Der Grund: Es fehlte ein verlässlicher Massstab dafür, was im Alltag konkret passieren soll. Ohne diesen Massstab passiert in jedem Hiring-Prozess das Gleiche, vier Verzerrungen, die niemand bewusst zulässt, aber alle akzeptieren.

Die vier Verzerrungen ohne Massstab

Wenn Klarheit über das erwartete Handeln fehlt, treten zwingend folgende Muster auf:

  • Eindruck ersetzt Messbarkeit. Wir glauben, wir wüssten, wie jemand "ist", basierend auf 3-5 Stunden Gespräch.
  • Sympathie wird zu "Teamfit". Wer angenehm wirkt, "passt".
  • Eloquenz wird zu "Kompetenz". Wer klar formuliert, kann es scheinbar.
  • Aktivität wird zu "Fortschritt". Wer viel tut, leistet etwas, vermeintlich.

Jede dieser Verzerrungen ist menschlich. Keine ist böswillig. Aber sie sind systemisch. Und sie machen den Auswahlprozess plausibel, nicht verlässlich.

Warum Anforderungsprofile den Massstab nicht ersetzen

Anforderungsprofile beschreiben, wie die Person sein soll. Sie listen Eigenschaften: "durchsetzungsstark", "teamfähig", "strategisch denkend", "belastbar".

Alle verstehen diese Begriffe. Doch jeder versteht etwas anderes darunter. Es entsteht ein Bild, aber kein Massstab. Genau hier liegt der Unterschied: Ein Anforderungsprofil erklärt, ein Massstab steuert.

Auch Selbstbeschreibungen von Unternehmen leiden am gleichen Problem: "Wir sind unternehmerisch." "Wir arbeiten als starkes Team." "Wir pflegen einen wertschätzenden Umgang." Schöne Aussagen, aber sie sagen nicht, was im Alltag konkret passieren soll.

Wie ein Massstab konkret aussieht

Ein Massstab ersetzt vage Begriffe durch beobachtbare Handlungen, und definiert, in welchen Situationen sie auftauchen müssen:

Nicht mehr:Sondern:
"durchsetzungsstark"Trifft Entscheidungen auch gegen Widerstand und setzt sie um.
"teamfähig"Bezieht unterschiedliche Perspektiven ein und entscheidet trotzdem.
"strategisch"Priorisiert langfristige Ziele vor kurzfristigem Druck.

Das ist kein blosser Sprachwechsel. Der Unterschied ist grundlegend: Handlungen machen Erwartungen überprüfbar.

Häufige Fragen

Wie viele Massstab-Sätze brauche ich pro Rolle? +

5-8 Handlungserwartungen, gebunden an 3-5 entscheidende Situationen, sind in der Regel ausreichend. Mehr verwässert, weniger lässt zu viel offen.

Funktioniert ein Massstab auch bei kreativen Rollen? +

Ja, gerade dort. Kreative Rollen leiden oft besonders unter unscharfen Erwartungen. Statt "kreativ" definieren Sie: "Bringt in jedem Briefing mindestens 3 Konzept-Optionen mit, die das Briefing-Ziel auf unterschiedlichen Wegen erreichen."

Wer formuliert den Massstab, HR oder die Führungskraft? +

Die Führungskraft, die mit der Person täglich arbeitet, gegebenenfalls mit HR-Begleitung. HR allein hat nicht den Praxiseinblick. Die Führungskraft allein neigt zu impliziten Erwartungen.

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