Lösung

Senior Hiring im Handwerk und in der Baubranche

In Schweizer Bauunternehmen, Handwerksbetrieben und Familienfirmen aus Sanitär, Elektro oder Schreinerei laufen Senior-Besetzungen oft jahrelang über persönliche Empfehlungen. Der Bauleiter wechselt vom befreundeten Mitbewerber, der neue Polier kommt aus dem eigenen Team. Das funktioniert lange, solange der Markt überschaubar bleibt. Dann kommen Generationenwechsel, die Anforderungen aus der digitalen Planung, KMU-Buchhaltungs-Themen, Energie- und Nachhaltigkeitsregulierung und der zunehmend angespannte Lehrlingsmarkt gleichzeitig auf die Geschäftsführung zu, und plötzlich reicht der eingespielte Weg nicht mehr.

Andre Hafner, einer der beiden Gründer von 360-Talents, kennt die Konstellation aus vielen Gesprächen mit Inhaberinnen und Inhabern. Eine Bauleiterin oder ein Polier wird neu eingestellt, fachlich top, schnell anerkannt auf der Baustelle, gut vernetzt in der Region. Nach drei Monaten zeigt sich, dass die Themen, derentwegen sie geholt wurde, nämlich digitale Planung mit BIM, saubere Schnittstelle zur Buchhaltung und systematischere Lehrlings-Begleitung, kaum vorankommen. Die Person liefert auf der Baustelle, das ist sichtbar. Was nicht passiert, ist die Modernisierung, für die sie eigentlich geholt wurde.

Warum praxiserprobt nicht modernisierungsbereit heisst

Im Schweizer Bauhandwerk wachsen Karrieren von der Lehre über Polier zur Bauleitung. Das System produziert Menschen, die fachlich exzellent sind, mit der Hand am Material denken und auf der Baustelle Autorität haben. Diese Stärken sind die Grundlage, ohne die in der Branche gar nichts läuft. Sie sind aber kein Indikator dafür, ob jemand gerne mit BIM-Modellen arbeitet, eine Bauakte digital pflegt oder dem Bauherrn sauber dokumentierte Nachträge stellt.

Der typische Bauleiter mit zwanzig Jahren Berufserfahrung hat seine Methoden in einer Zeit gelernt, in der Pläne auf Papier kamen, Aufmasse von Hand erfasst wurden und die Schnittstelle zur Buchhaltung am Monatsende per Stapel Belege geregelt war. Wenn er in einen Betrieb wechselt, der gerade auf BIM, digitale Aufmass-Apps und ein modernes ERP migrieren will, prallen zwei Welten aufeinander. Im Bewerbungsgespräch sagt er ehrlich, dass er das alles lernen will. Im Alltag fällt er reflexhaft auf die alten Wege zurück, sobald Termindruck entsteht.

Die Hypothese der Geschäftsleitung war, dass er mit der Modernisierung mitgeht. Diese Hypothese wurde nie operativ überprüft. Sie hätte sich in den ersten vier bis sechs Wochen prüfen lassen, wenn vorab beschrieben gewesen wäre, in welchen Situationen seine Bereitschaft zur neuen Arbeitsweise sichtbar werden würde, und welches Handeln in diesen Situationen erwartet wird.

Welche Senior-Rollen besonders kritisch sind

In Schweizer Bau- und Handwerksbetrieben gibt es einige Funktionen, in denen die Geisterphase besonders teuer wird. Bauleitungen, weil sie die Schnittstelle zwischen Bauherr, Architekt, eigenem Team und Subunternehmern tragen. Poliere, weil ihre Wirkung im Tagesablauf der Baustelle direkt sichtbar wird oder eben nicht. Geschäftsführungs-Stellvertretungen in Familienbetrieben, oft im Rahmen einer Nachfolge-Vorbereitung, weil hier das alte und das neue Modell parallel laufen. Bereichsleitungen in mittelgrossen Sanitär- oder Elektro-Betrieben, weil sie zwischen operativem Geschäft, Auftragsabwicklung und Inhaberin vermitteln. Werkleitungen in Schreinereien oder Metallbau-Werkstätten, weil dort Fertigungsplanung, Materialwirtschaft und Mitarbeiterführung in einer Person zusammenkommen.

Allen gemeinsam ist, dass die Wirkung sich nicht im Lebenslauf ablesen lässt. Eine Bauleiterin, die im alten Betrieb mit klassischen Methoden hervorragend war, kann im neuen Betrieb mit BIM-Anspruch und KMU-Buchhaltungs-Schnittstelle nicht selbstverständlich gleich gut sein.

Was sich verändert, wenn Wirkung früh sichtbar wird

Wirkungsdiagnostik im Bauumfeld bedeutet, vor Antritt mit der Geschäftsführung, der Inhaberin und gegebenenfalls dem Architekturbüro durchzugehen, welche Situationen in den ersten zwölf Wochen unausweichlich auftreten werden. Bei einer neuen Bauleitung etwa: Wie geht sie mit einem Subunternehmer um, der die Termine nicht hält und das in der Branche immer schon so gemacht hat? Wie strukturiert sie die wöchentliche Bauherren-Sitzung, wenn der Bauherr vor allem reden und wenig entscheiden will? Wie reagiert sie, wenn ein erfahrener Polier im Team die neuen digitalen Aufmass-Apps offen ablehnt?

Diese Erwartungen werden in vier bis sechs konkreten Situationen verdichtet und im Bewerbungsprozess offen besprochen. Wer in den Antworten ehrlich beschreiben kann, wie sie in solchen Momenten handeln würde und was ihr leichter fällt als anderes, gibt ein viel klareres Bild ab als jede Eigenschaftsliste oder jedes Zertifikat. Im Onboarding folgen kurze, strukturierte Reviews, die diese Situationen aufgreifen, sobald sie eintreten, idealerweise gemeinsam mit der Geschäftsführung und der vorgesetzten Bereichsleitung.

Die Phase zwischen Entscheidung und Klarheit verkürzt sich von typischerweise sechs bis neun Monaten auf vier bis sechs Wochen. In einer Branche mit kleinen Margen, in der jede Baustelle eine eigene Wirtschaftlichkeit hat, ist diese Verkürzung direkt am Deckungsbeitrag ablesbar.

Wirtschaftlicher Effekt im Bau- und Handwerksbetrieb

Eine Bauleitung in der Schweiz liegt typischerweise bei 110 bis 160k CHF Jahresgehalt, eine Geschäftsführungs-Stellvertretung in einem mittelständischen Handwerksbetrieb bei 130 bis 180k CHF. Die direkten Wiederbesetzungskosten bei Trennung nach neun Monaten umfassen Restgehalt, Vakanzdauer von vier bis sechs Monaten plus Recruiting. Schnell sind 130 bis 220k CHF Direktkosten erreicht.

Schwerer wiegen die Folgekosten. Eine Geisterphase in der Bauleitung schlägt direkt auf die Margen der laufenden Baustellen durch. Nicht eskalierte Nachträge, schlecht geführte Subunternehmer, übersehene Budgetabweichungen können einzelne Projekte um 5 bis 15 Prozent ihrer Kalkulation aufzehren. Bei zwei bis drei parallel laufenden mittleren Baustellen sind das schnell sechsstellige Beträge, die in der nicht-erkannten Geisterphase entstehen. Der Hebel früher Wirkungsdiagnostik liegt deshalb nicht nur im Gehalt der Bauleitung, sondern in den Deckungsbeiträgen der Projekte, die unter ihrer Verantwortung laufen.

Häufige Fragen

Wir besetzen meist über persönliche Empfehlungen. Bringt Wirkungsdiagnostik dann etwas? +

Sie bringt sogar besonders viel. Bei Empfehlungen ist die fachliche Glaubwürdigkeit hoch, weil der Empfehlende sie aus Erfahrung bestätigt. Was die Empfehlung nicht leistet, ist eine Aussage über das Handeln im neuen Betrieb mit anderem Anspruch. Wirkungsdiagnostik füllt diese Lücke, ohne den Wert der Empfehlung zu schmälern.

Wir sind ein Familienbetrieb mitten im Generationenwechsel. Hilft der Ansatz dabei? +

Ja, sehr direkt. Im Generationenwechsel ist die Frage, welche Wirkung die nachfolgende Person im Alltag entfalten soll, oft nicht ausgesprochen. Wirkungsdiagnostik macht diese Erwartung explizit und gibt der scheidenden und der eintretenden Generation einen gemeinsamen Massstab, der den Übergang sauber strukturiert.

Unser Bauleiter sitzt zu 80 Prozent auf der Baustelle. Wie sehen wir Wirkung dort? +

Genau dort sehen Sie sie am besten. Die wichtigsten Wirkungssituationen einer Bauleitung sind Baustellen-Situationen. Strukturierte Reviews in kurzer Form, gerne auch im Container vor Ort, erfassen das Handeln der letzten Woche an konkreten Vorfällen. Das ist viel näher am Geschehen als jeder klassische Bürotermin.

Wir migrieren gerade auf BIM und neue ERP-Software. Beeinflusst das die Wirkungsdiagnostik? +

Ja, sie wird dadurch noch wertvoller. Die Migration ist genau die Situation, in der vorab klar sein sollte, wie die neue Bauleitung damit umgeht. Es lohnt sich, eine der vier bis sechs Wirkungssituationen explizit auf die digitale Arbeitsweise zu beziehen.

Was kostet ein Kandidaten-Audit für eine Bauleitung? +

Das Audit ist auf die Komplexität der Rolle und die Stakeholder im Betrieb zugeschnitten. Wir besprechen den Rahmen kostenfrei in einem ersten Termin und zeigen, wie der Massstab für Ihre konkrete Vakanz aussehen könnte.

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