Lösung

EOS ist gut für Execution. Was fehlt, ist die Wissenschaft.

Das Entrepreneurial Operating System hat vielen mittelständischen Unternehmen geholfen, Disziplin in ihre Abläufe zu bringen. Mit klaren Meeting-Rhythmen, Scorecards und Rocks liefert EOS einen starken Rahmen für die Umsetzung. Doch bei der wichtigsten Ressource, den Menschen, stösst das System an seine Grenzen.

Unternehmen, die wachsen wollen, stellen fest: GWC, also Get it, Want it, Capacity to do it, reicht für tiefgreifende Personalentscheidungen nicht aus. Es bleibt eine Einschätzung der Führungskraft, keine überprüfbare Grundlage. Wer EOS um eine wissenschaftlich fundierte Basis für Auswahl und Führung ergänzen will, findet bei 360-Talents den Wirkungs-Massstab: ein Dokument pro Schlüsselrolle mit der erwarteten Wirkung, den Annahmen dahinter und den Situationen, an denen sich zeigt, ob sie entsteht. Damit wird aus einer Diskussion über Sympathie eine Diskussion über beobachtbares Handeln.

Die Grenzen von EOS bei Personalentscheidungen

EOS glänzt bei der Strukturierung von Arbeit, hat aber einen blinden Fleck: die Psychologie des Menschen. Das zentrale Werkzeug zur Beurteilung von Mitarbeitenden in EOS ist GWC, verkürzt gefragt: Versteht er es, will er es, hat er die Kapazität dafür? Diese drei Kriterien stützen sich stark auf die subjektive Einschätzung der Führungskraft. Es gibt keine standardisierte psychometrische Grundlage, keinen objektivierbaren Massstab für Verhalten und keine wissenschaftliche Eignungsdiagnostik dahinter. Wenn jemand die Erwartungen nicht erfüllt, hilft EOS dabei, das schnell sichtbar zu machen. Eine fundierte Antwort darauf, ob es an fehlenden Fähigkeiten, falschen Neigungen oder unklaren Rahmenbedingungen liegt, liefert es nicht. Zwei Führungskräfte, die denselben Mitarbeitenden nach GWC beurteilen, kommen deshalb nicht selten zu unterschiedlichen Einschätzungen, weil jede ihre eigene Vorstellung von Kapazität mitbringt. Eine echte Ergänzung setzt genau hier an und ersetzt das Bauchgefühl durch eine belastbare, überprüfbare Grundlage.

Wissenschaftliche Diagnostik statt Bauchgefühl

Wo EOS mit GWC auf die Einschätzung der Führungskraft setzt, prüft 360-Talents dieselbe Frage wissenschaftlich. Wir stützen uns auf anerkannte Kompetenzmodelle, etwa nach Erpenbeck und Sauter, und auf eignungsdiagnostische Verfahren, die der DIN 33430 entsprechen. Wenn eine Rolle ein hohes Mass an Belastbarkeit oder analytischem Denken braucht, raten wir nicht, ob eine Kandidatin das mitbringt, wir messen es. Diese Messung ist eine der Annahmen hinter dem Wirkungs-Massstab der Rolle, dem Dokument, das festhält, welches Handeln in welchen Situationen erwartet wird. Anders als GWC, das im Kern zu einem Ja oder Nein kommt, endet der Vergleich zwischen erwartetem und beobachtetem Handeln bei 360-Talents mit einer von drei Antworten: Passung, wenn beides übereinstimmt, Person entwickeln, wenn die Lücken auf Handlungsfähigkeiten liegen, oder Rolle anpassen, wenn sie auf Werten liegen, die sich nicht wie eine Fähigkeit trainieren lassen. Das macht Beförderungen, Einstellungen und Teamentscheidungen nachvollziehbarer.

Der fehlende Lernkreislauf nach der Einstellung

Ein weiteres Element, das vielen Unternehmen bei reiner EOS-Nutzung fehlt, ist ein strukturierter Blick auf das Wie. Während EOS den Fokus auf das Erreichen von Kennzahlen legt, der Scorecard, geht oft unter, wie diese Zahlen zustande kommen. Der Wirkungs-Massstab schliesst diese Lücke, weil er neben der erwarteten Wirkung auch die drei bis fünf Situationen festhält, an denen sich diese Wirkung im Alltag zeigt. Eine Führungskraft, die einen Konflikt zwischen zwei Kundenberatern klärt, ein Team, das eine Frist reisst, ein Kunde, der abspringen will: Für solche Momente beschreibt der Massstab, was passieren soll. Reviews nach sechs, zwölf und sechsundzwanzig Wochen prüfen dann nicht mehr allgemein, ob jemand performt. Sie prüfen, ob das erwartete Handeln in diesen konkreten Situationen tatsächlich eintritt, und schliessen damit die Lücke zwischen operativer Ausführung und echtem Lernen. Ein Beispiel: Verfehlt eine Vertriebsleitung zwei Quartale in Folge ihre Ziele, zeigt der Blick in den Massstab, ob es an der Reaktion auf abspringende Grosskunden lag oder an einer Situation, die im Massstab bisher gar nicht vorgesehen war.

EOS ergänzen oder ersetzen?

360-Talents muss EOS nicht ersetzen. Viele Unternehmen behalten die Meeting-Rhythmen und die Disziplin von EOS und ergänzen sie um einen Wirkungs-Massstab für ihre wichtigsten Rollen, die tiefere Grundlage für Personalentscheidungen, die GWC allein nicht liefert. Für Unternehmen, denen die Struktur von EOS ohnehin zu starr ist, reicht der Massstab auch für sich allein als Grundlage für Auswahl und Führung. In beiden Fällen erhalten Sie einen wissenschaftlich begründeten Massstab für die Entscheidungen, die am meisten wiegen: wen Sie einstellen, wen Sie befördern, und woran Sie merken, ob es passt. So gelingt der Wachstumsschritt von 50 auf 500 Mitarbeitende mit weniger Reibung, weil Auswahl und Führung auf derselben Grundlage stehen.

Häufige Fragen

Müssen wir EOS abschaffen, um mit 360-Talents zu arbeiten? +
Nein. Viele Unternehmen behalten die operativen Rhythmen von EOS, die L10-Meetings, die Quartalsplanung, und ergänzen sie um einen Wirkungs-Massstab für ihre Schlüsselrollen. Der Massstab setzt bei den Personalentscheidungen an und ersetzt dort GWC durch eine wissenschaftlich fundierte Grundlage.
Was ist falsch an GWC (Get it, Want it, Capacity)? +
Nichts grundsätzlich, aber es bleibt stark vereinfachend und subjektiv. Es fehlt eine beobachtbare Grundlage dafür, was in konkreten Situationen passieren soll. Dadurch hängen Personalentscheidungen oft stärker von Sympathie ab, als den Beteiligten bewusst ist.
Wie schnell lässt sich ein Wirkungs-Massstab aufbauen? +
Für eine Schlüsselrolle entsteht der erste Entwurf meist in einer Session von rund 60 Minuten, danach folgt eine kurze Abstimmung. Die grössere Veränderung ist ein Wechsel in der Kultur: weg von subjektiven Meinungen, hin zu einer gemeinsamen, überprüfbaren Erwartung.
Funktioniert das auch, wenn wir GWC einfach behalten wollen? +
Ja. GWC bleibt dann ein grobes erstes Raster in Meetings. Für die eigentliche Personalentscheidung, Einstellung, Beförderung oder Trennung, nutzen Sie zusätzlich den Wirkungs-Massstab, weil er konkreter ist als drei allgemeine Fragen.
Was, wenn unsere Führungskräfte GWC bereits verinnerlicht haben und ungern wechseln? +
Dann müssen sie es nicht aufgeben. GWC bleibt als schnelles Zwischenfazit im wöchentlichen Meeting brauchbar. Für die eigentliche Entscheidung, eine Einstellung, eine Beförderung, eine Trennung, ziehen Sie zusätzlich den Wirkungs-Massstab heran, weil er die Frage beantwortet, die GWC offenlässt: An welchen konkreten Situationen erkennen wir es?

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